„Die einen so, die anderen so…

Warum Kunst keinen Guru braucht

Es gibt immer jemanden, der es besser weiß – vor allem, wenn es um Kunst geht. Aber ist das wirklich so?

A sagt: Ich wäre ja selbst gern Künstler geworden (hätte ich es mir nur zugetraut) … aber du? Du wirst ein großartiger Vollzeitkünstler! Und einen Jahreskurs mit passenden Tipps habe ich auch – garantiert die richtigen.

B sagt: Umarme dein künstlerisches Ich, finde deine Essenz, dann wirst du erfolgreich. Ich zeige dir, wie es geht.

C sagt: Werde ein Instagram-Profi, dann verkauft sich deine Kunst von selbst – sofern du eine Bildaussage hast!

D sagt: Wenn du meine Tipps als deine Kuratorin umsetzt…

Alle wissen irgendetwas, alle haben eine Meinung, alle kennen den richtigen Weg – angeblich.

Doch was, wenn ich all das gar nicht will?

  • Was, wenn ich nicht meinen Lebensunterhalt mit Kunst verdienen möchte, sondern einfach malen – wachsen, lernen, mich entwickeln?
  • Was, wenn mir in jungen Jahren niemand meine Fähigkeiten abgesprochen hat, ich aber trotzdem beruflich andere Entscheidungen getroffen habe
  • Was, wenn ich mich bewusst nicht dem Druck aussetzen möchte, Kunst produzieren zu müssen, um finanziell zu überleben?
  • Was, wenn ich meinem eigenen Stern folgen möchte – und nicht dem wirtschaftlich „sicheren“ Stil, der gerade angesagt ist?
  • Was, wenn ich gar nicht ständig auf Ausstellungen, Messen und sozialen Plattformen präsent sein will, nur um nicht in Vergessenheit zu geraten
  • Und was, wenn meine Bilder Menschen zwar gefallen und berühren, aber nicht gekauft werden, weil sie „über der Couch nicht passend“ sind?
    Mache ich dann schlechte Kunst? Oder gar keine?

Zwischen Zuhören und Widerstand

Ich höre all den „Experten“ trotzdem immer wieder mal zu – ihren Liveschaltungen, Podcasts, Coachings. Und ab und zu gibt es da eben doch (neben den vielen Werbeblöcken) einen wertvollen Gedanken, eine kleine Idee, die mir weiterhilft.

Nur frage ich mich gelegentlich: Wie kommt es, dass so viele dieser Expert’innen den meisten Umsatz nicht mit ihrer eigenen Kunst machen, sondern mit Kursen, Mentoring und Seminaren? Vielleicht, weil sie selbst kaum noch Kunst verkaufen?
Das macht mich immer wieder hellhörig.

Echte Stimmen statt großer Versprechen

Mich inspiriert der Instagram-Account @sagmal_kunst.
Dort beantworten Künstlerinnen Fragen ehrlich, realistisch, nah an ihrer Wirklichkeit. Das lese ich viel lieber als die Ratschläge derjenigen, die sich von ihrer eigenen Kunst zu weit entfernt haben und deren Erfolg in erster Linie aus dem Erklären statt aus dem Machen besteht.

Und ich?

Ich bin nicht frei von all den Widersprüchen!
Ich ertappe mich bei Ungeduld, bei der Enttäuschung über ein nicht verkauftes Bild. Ich will manchmal mehr, als im Moment möglich zu sein scheint…
Auch ich torkele zwischen diesem und jenem Weg hin und her… habe manchmal Angst, eine Chance zu verpassen.

Das wirft Fragen auf und lässt selbstzweifelnde Gedanken entstehen.
Doch dies Krisen bringen uns entweder weiter – oder weg von der Kunst.

DU und ICH haben die Wahl, wie es weitergeht.

Ein Plädoyer für das Innehalten

Wenn der Verkaufsdruck steigt…
Wenn der „Guru“ immer wichtiger wird…
Wenn die eigene Kunst immer trendiger statt wahrhaftiger erscheint…

Dann ist es vielleicht Zeit stehenzubleiben.
Neu zu justieren.
Sich ein paar ehrliche Fragen zu stellen:

  • Was ist mein Weg?
  • Was will ich wirklich? Worum geht es mir?
  • Was ist meine Art, mich auszudrücken?
  • Was erzähle ich mit meinen Bildern?
  • Wie und womit möchte ich Menschen berühren?

Am Ende zählt das am meisten. Oder?


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