Ein Bild von Frida Kahlo stellte bei Sotheby’s einen Verkaufsrekord auf

Quelle der Abbildung: https://www.theguardian.com/artanddesign/2025/nov/21/frida-kahlo-self-portrait-sells-547-million-new-auction-record-female-artist
Ein Werk von Frida Kahlo wurde bei Sotheby’s für beeindruckende 54,7 Millionen Dollar verkauft – ein neuer Rekord für eine Künstlerin am Auktionsmarkt. Doch jenseits dieser Schlagzeile stellen sich Fragen, die weit über diesen Einzelfall hinausgehen und unsere Gegenwart als Kunstschaffende direkt berühren.
1. Wer kauft ein solches Bild?
Es ist ein sehr persönliches Bild – wie fast alle Werke Frida Kahlos. Es zeigt die Folgen des schweren Verkehrsunfalls, der ihr Leben und ihren Körper dauerhaft veränderte. Bettlägerigkeit, Schmerz, die ständige Präsenz des Todes. Ein Bild, das man wohl als „weniger dekorativ“ bezeichnen würde als der Rekordvorgänger von Georgia O’Keeffe („Jimson Weed/White Flower No. 1“). Wer also kauft ein Bild, in dem der Tod buchstäblich mit im Bett liegt?
In solchen Preisregionen kommen nur wenige Käufer*innen infrage:
- Superreiche Privatsammler*innen
- Stiftungen
- Museen oder institutionelle Sammlungen
- Familienoffices, die Kunst als Anlageklasse betrachten
Der Name der Erwerbenden bleibt geheim – wie immer. Klar ist aber: Wer kaufen kann, definiert zunehmend auch, welche Werke sichtbare Kunstgeschichte schreiben.
Und genau das ist bereits ein kontroverser Punkt:
Sind solche Rekorde wirklich Triumphmomente für weibliche Kunst – oder zeigen sie nur, wie extrem exklusiv der Zugang zu ihr geworden ist?
2. Wo wird das Werk hängen – im Wohnzimmer oder im Museum?
Wahrscheinlich ist eines der bekannten Szenarien:
- In einer privaten Sammlung, zugänglich für eine Handvoll Gäste.
- In einer Corporate Collection, die Werke wie Aktien behandelt.
- Oder doch in einem Museum – wenn der/die Käufer*in es großzügig stiftet.
Hier beginnt die nächste Debatte:
Sollte Kunst mit solcher gesellschaftlicher Relevanz überhaupt in Privatbesitz landen?
Ist es gerechtfertigt, dass ein Werk, das so viel über Schmerz, Weiblichkeit und Identität erzählt, womöglich in einem Wohnzimmer hängt, unsichtbar für die Öffentlichkeit?
3. Wozu kauft man ein Bild für 54,7 Millionen Dollar?
Die Gründe können vielfältig sein:
- Echte Faszination für die Künstlerin
- Investmentstrategie
- Prestige und kulturelles Kapital
- Leidenschaft für surrealistische Kunst
Doch gerade bei Rekordsummen stellt sich auch die Frage:
Wird hier Kunst gekauft – oder Status?
Und wie verändert dieser Marktmechanismus die Bedeutung solcher Werke?
Was hat das alles mit uns als Künstler*innen der Gegenwart zu tun?
Hier wird es spannend – und potenziell unbequem:
- Wird Kunst heute überhaupt noch primär wegen ihrer Aussage oder Qualität gekauft – oder wegen ihres Wiederverkaufswertes?
- Haben zeitgenössische Künstler*innen ohne extremes Storytelling (Trauma, Biografie, politische Aufladung) überhaupt noch Chancen, „marktfähig“ zu werden?
- Schafft der Kunstmarkt echte Sichtbarkeit für weibliche Kunst – oder nur teure Schlagzeilen?
- Ist ein Rekordpreis ein Sieg für die Gleichstellung oder lediglich ein Spiegel ultrakapitalistischer Mechanismen?
Vielleicht ist es an der Zeit zu diskutieren, ob Rekorde wie dieser wirklich Fortschritt bedeuten –
oder ob sie nur verdeutlichen, wie selektiv, exklusiv und undurchlässig der Kunstmarkt weiterhin ist.
Am Schluss noch ein kleines Video, das einen Teil der Kunstszene – wie ich finde – herrlich auf die Schippe nimmt: https://www.instagram.com/reel/DRC2r8jEeyW/?igsh=dGQ2YTlldDdzeGNy
Wie seht ihr das?
Feiern wir hier einen Meilenstein – oder ein Symptom des Problems?
Ich würde mich über eure Meinungen freuen, lasst uns diskutieren!
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