Die Evolution von Kunstschaffenden

Ein persönlicher Blick auf Entwicklung, Wachstum und die Stolpersteine auf dem künstlerischen Weg.

„Evolution“ – ein Begriff, den man eher aus der Biologie kennt. Aber warum passt er trotzdem wunderbar in den Kontext künstlerischer Entwicklung? In diesem Beitrag erkläre ich, warum ich diesen Begriff bewusst gewählt habe, um über meinen eigenen Werdegang als Künstlerin zu sprechen – und vielleicht erkennst du dich an der einen oder anderen Stelle selbst wieder.


Von der ersten Idee zum Griff nach Farbe und Leinwand

Irgendwann kommt der Moment, in dem ein Mensch spürt: Ich will mich künstlerisch ausdrücken. Der Weg dorthin ist so individuell wie die Menschen selbst. Einige starten akademisch und analytisch, andere greifen spontan zu Farben und pinseln drauflos – intuitiv, emotional, neugierig. Manche besuchen Kurse, beobachten andere, holen sich Rat. Und dann entstehen sie: die ersten eigenen Bilder.

Egal, wie der Einstieg aussieht – eines ist allen gemeinsam: Man sammelt Erfahrungen. Und mit diesen kommen neue Fragen auf:

  • Welches Medium liegt mir besonders?
  • Welche Farben sprechen mich an?
  • Was funktioniert gut – und was gar nicht?
  • Welche Formate inspirieren mich?
  • Was fällt mir leicht, was fordert mich heraus?

Selbsterkenntnis durch Malerei

Ich bin überzeugt: Man lernt sich selbst durch die Kunst neu kennen – oder besser gesagt: Man erweitert die Wahrnehmung von sich selbst.

Ein Beispiel aus meiner Praxis: Ich liebte die Farbe Rot schon als Kind. Doch in meiner ersten Malphase war meine Farbwelt vor allem von Blau geprägt. Runde Formen liegen mir mehr als eckige. Ich liebe Materialmixe – arbeite aber oft lieber in einer Farbnuance als kunterbunt.

Diese Erkenntnisse kommen nicht über Nacht. Sie entstehen im Prozess – durch Ausprobieren, Scheitern und Entdecken.


Wenn die Wände voll sind…

Früher oder später ist es so weit: Die eigenen vier Wände sind voll. Freunde und Familie sind reichlich beschenkt – alle, die sich für deine Bilder interessieren, haben bereits eines.

Und dann kommt die Frage: Wie geht es weiter?
Du hast positives Feedback erhalten, anerkennende Worte. Vielleicht denkst du: Ich wage den nächsten Schritt – ich möchte meine Werke verkaufen.

Und genau an diesem Punkt tauchen sie auf:
Kunstvermarkter, Business-Coaches, Galeristen.
Mit verlockenden Versprechungen, teuren Angeboten, klaren Forderungen:

  • „Stell bei mir aus – für nur 1200 €!“
  • „Mach bei dieser Messe für 3.000€ mit – zzgl. Transport, Unterkunft…“
  • „Komm in meine Akademie – das bringt dich groß raus!“

Das kann motivierend sein. Aber ebenso überfordern. Und manchmal sogar entmutigen.


Was brauchst DU wirklich?

Ich habe kein Patentrezept. Aber ich weiß: Es hilft, einen Schritt zurückzutreten. Die Szene aus der Vogelperspektive zu betrachten. Und sich ehrlich zu fragen:

  • Was ist mein nächster sinnvoller Schritt?
  • Was passt wirklich zu mir?
  • Wo will ich langfristig hin – unabhängig vom äußeren Druck?

Du musst nicht alles auf einmal machen. Vom Laien zur professionellen Künstlerin wird man nicht in drei Monaten. Aber vielleicht in drei Jahren?

Nicht umsonst heißt es: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“ Und warum nicht auch in der Kunst sagen: „Der Weg ist das Ziel.“


Entwicklung lässt sich nicht abkürzen

Man kann künstlerisches Wachstum nicht erzwingen. Es lässt sich nicht abkürzen. Man muss es durchleben.

Es ist wie beim Laufenlernen: Aufstehen. Hinfallen. Wieder aufstehen. Festhalten. Noch einmal hinfallen. Und irgendwann – freihändig laufen. Unsicher, wacklig, aber frei.
Und mit jedem Schritt wächst das Vertrauen. Die Strecken werden länger. Das Ziel klarer.

Auch wir Künstler*innen müssen diesen Weg gehen – durch Höhen und Tiefen, in unserem eigenen Tempo.


Bleib dir selbst treu

Suche mutig deinen Weg. Erlaube dir, ungewöhnliche Ideen zu verfolgen. Sammle Erfahrungen – und erwarte nicht zu viel auf einmal.

Bleib dran. Geh weiter – Schritt für Schritt, mit deinem Tempo und deinem Ziel vor Augen.


Zum Schluss: Kooperation statt blinder Glaube

Ich möchte all die Business-Angebote nicht verteufeln. Viele enthalten gute Tipps, wertvolle Hinweise, hilfreiche Strategien. Aber:vBlind folgen solltest du niemandem!

Stattdessen: Vernetze dich mit anderen. Tauscht euch aus. Unterstützt euch gegenseitig. Sprecht offen über eure Erfolge – und auch über eure Misserfolge.

Das ist echte, lebendige Weiterentwicklung. Das ist künstlerische Evolution.


Ich zum Beispiel habe mein letztes Bild vor über einem Jahr verkauft – aber vor sechs Monaten einen internationalen Kunstpreis erhalten. Was ist Kunst wert? Wer entscheidet über Bedeutung, Erfolg, Anerkennung? Vielleicht ist es an der Zeit, diese Fragen neu zu denken.

Du bestimmst den Wert deiner Kunst.
Das ist meine aktuelle Erkenntnis.
Das ist meine Idee von Evolution in der Kunst.

„Die Kunst ist für mich da und nicht umgekehrt !“ Schrieb mir ein Leser auf den letzten Blogbeitrag. Wie in finde: Ein guter Denkanstoß!

Und deine? Wie denkst du darüber? Ich freue mich über den Austausch von Gedanken :-)

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