Gedanken zur Entwicklung einer parallelen Kunstszene

In letzter Zeit sprießen sie wie Pilze aus dem Boden – Angebote für Künstlerinnen und Künstler oder solche, die es werden wollen. Ob online oder offline, die Vielfalt ist groß: Mal- und Kreativkurse, Coachings, Programme, die versprechen, dich zur Vollzeitkünstlerin und Verkaufsprofi zu machen. Die Botschaft ist stets dieselbe: Du kannst es schaffen!

Wer Kunst erschafft, möchte sie meist auch zeigen, Reaktionen darauf erhalten, mit Betrachter:innen in Kontakt treten – und ja, viele möchten ihre Werke auch verkaufen.
Doch ist das wirklich der Maßstab für künstlerischen Erfolg?

Die große Frage: Warum mache ich Kunst?

Auch ich hing lange dem Gedanken nach, dass der Verkauf meiner Bilder der einzig gültige Gradmesser für deren künstlerischen Wert sei.
Erst durch ein Coaching außerhalb der Kunstszene stellte ich mir eine entscheidende Frage:
Worum geht es mir eigentlich, wenn ich Kunst mache?

Diese Auseinandersetzung führte schließlich zu einem Plakat – heute würde man wohl „Visionboard“ sagen. Neben Skizzen und kleinen Zeichnungen habe ich Leitsätze und Gedanken notiert, die mir als Künstlerin und Mensch wichtig sind.
Dieses Board hilft mir bis heute, mich immer wieder daran zu erinnern, worauf es mir wirklich ankommt – gerade in einer Zeit, in der die Stimmen von außen unaufhörlich rufen:
„Du musst…“„Du solltest…“„Wenn du nur… dann…!“

Wachsendes Unbehagen

Natürlich freut es mich, wenn Menschen meine Bilder ansehen, sich dafür interessieren und mir wertschätzende Rückmeldungen geben – ob online oder analog bei Ausstellungen.
Was mir jedoch zunehmend missfällt, ist der Druck, der rund um Kunst entsteht – oder den wir uns selbst auferlegen. Ständig geht es um die „richtige“ Selbstvermarktung, um Verkaufsstrategien, um Reichweite.

Doch ich bin keine Werbefachfrau – und will auch keine werden.
Ich male nicht, um Verkaufsprofi zu sein, sondern weil das Malen meine Sprache ist. Eine Sprache, die mich erfüllt, mir individuellen Ausdruck verleiht und mich mit Menschen verbindet, die diese Sprache verstehen – Menschen, die Kunst lieben.

Realität und Erwartungen

„Alle Welt malt“, sagte kürzlich eine Freundin.
Und sie hat recht! Aber der Markt ist begrenzt. Die Zahl der Käufer:innen ist deutlich kleiner als die der Kunstschaffenden – und die der echten Sammler:innen nochmals geringer.

Deshalb halte ich es für sinnvoll, die eigenen Erwartungen zu hinterfragen – und sich auf einen Weg zu begeben, der zum eigenen Wesen passt, sich stimmig anfühlt und nicht nur einer optimierten Zielgruppenanalyse folgt.

Kunst als Business – ein Widerspruch?

Ich frage mich zunehmend: Warum bieten so viele Künstler:innen Business- und Kunstverkaufskurse an?

Vermutlich nicht (nur) aus Sendungsbewusstsein – sondern weil viele vom Verkauf ihrer eigenen Werke allein nicht leben können.
Viele haben sogenannte „Brotjobs“, andere verdienen mit Coachings mehr als mit ihren Bildern. Wären diese Angebote in solcher Zahl vorhanden, wenn Kunstverkauf allein finanziell tragfähig wäre?

Mein Weg – und deiner?

Für mich besteht ein grundlegender Unterschied darin, ob ich Kosmetik, Elektronik oder eben Kunst vermarkte.
Deshalb lehne ich auch viele der üblichen Strategien ab: grelle Farben, aufpoppende Sticker, laute Musik, hektische Schnitte. All das widerspricht meiner Vorstellung von künstlerischer Kommunikation.

Ich suche stattdessen nach passender Musik für meine Videos – nach Bildsequenzen, die lange genug sichtbar sind, um überhaupt erfassen zu können, was dargestellt ist.
Ich entferne mich zunehmend von dekorativen Interieurs, in denen die Bilder „funktionieren“ sollen, zum Dekor „passen“. Ich bewege mich hin zu der Suche nach Szenen oder Inszenierungen, die meine Bildaussage unterstützen können. Das braucht Zeit.
Vorgefertigte Videovorlagen greifen oft zu kurz – auch hier ist Raum für Reflexion und Weiterentwicklung notwendig.

Natürlich geht jeder seinen eigenen Weg.
Doch ich frage dich: Welchen Weg gehst du? Welche Gedanken hast du dazu?
Ich würde mich freuen, wenn wir uns darüber austauschen – in Kommentaren, Gesprächen oder zukünftigen Beiträgen.

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